reise 2011/12 bericht

Hopeville bedankt sich beim Verfasser Aaron Venetz

Knapp drei Monate sind vergangen, seit die 16 Schweizerinnen und Schweizer unter der verlässlichen Führung von Daniel Rotzer, Martin Zeiter und Pfarrer Kenneth Ekeugo aus der nigerianischen Provinz Abia State auf heimischen Boden zurückgekehrt sind. Obwohl vieles von dem in Afrika Erlebten kaum in Worte zu fassen ist, folgt nun der Versuch eines Rückblicks in sieben kleinen Geschichten beginnend mit sieben Buchstaben, die in uns allen für immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben:

N-I-G-E-R-I-A.

 

N wie: Neujahr

Der erste Tag des neuen Jahres begann für viele von uns so früh, wie noch nie ein Neujahr zuvor in der Schweiz. Schon um 8 Uhr versammelten wir uns zum gemeinsamen Frühstück, um uns für die bevorstehende 4(!)-stündige Neujahrsmesse zu stärken. Vier Stunden klangen für viele von uns nach einer langen Zeit, doch wir wurden alle überrascht. Denn der Tag wurde zu einem Sinnbild für die tiefe Religiosität der ansässigen Menschen. Die Kirche sowie deren Besucher waren alle in den prächtigsten Farben geschmückt. Kein Grau, Braun oder Schwarz um Demut auszudrücken, sondern alle Farben, um Gott für seine Schöpfung zu danken. Der wenige Besitz wurde als Opfergabe zur Kirche gebracht und stapelte sich in Form von Hühnern, Ziegen oder sogar Kühlschränken auf dem Kirchplatz auf. Die Menschen sangen und jubelten während der gesamten Messe und die Kinder spielten und tobten um die Kirche herum. Wohl keiner von uns hatte das Gefühl, vier Stunden in der Kirche zu sitzen.

 

I wie: Igbo

Igbo ist die Sprache der lokal-ansässigen Bevölkerung und eine der 6 am meisten gesprochenen indigenen Sprachen in Nigeria. Das von unserer Reisegruppe wohl am häufigsten gehörte Igbo-Wort  (neben „ogologo ndu“ für Gesundheit/Prost) war „Onyocha“. Jeder Schweizer wurde zu jedem Zeitpunkt von den Nigerianern mit einem lautstarken „Onyocha“ und einem herzlichen Lachen begrüsst. „Onyocha“ bedeutet ungefähr „weisser Mann/Frau“ und mit dem Wort schwingt die Begeisterung für etwas, was die meisten dort lebenden Menschen noch nie gesehen haben und tiefster Respekt vor dem Gegenüber.

 

G wie: grosse Augen, kleine Kinder

Wie speziell unser Besuch war, sah man wohl am besten in den Augen der dort lebenden Kinder. Zu jeder Zeit war die Dorfjugend von Amagu um uns herum und begleitete uns auf Schritt und Tritt. Keine Minute stand man alleine abseits, ohne dass nicht ein kleines Mädchen oder ein kleiner Junge seine Hand in die deine legte und dich mit so grossen Augen fasziniert betrachtete, wie es nur ein Kind kann. Wer den „Fehler“ machte und vor den Kindern seine Kamera auspackte, der durfte die nächste Stunden knipsen bis entweder der Akku, die Speicherkarte oder sogar manchmal der Fotograf selbst den Geist aufgab.

 

E wie: Einweihung

Der 29. Dezember 2011 ist ein Tag, welcher keiner von uns, am allerwenigsten Martin, Daniel oder die Menschen in Amagu, vergessen wird. Denn an diesem Tag fand die feierliche Einweihung des Swiss Foundation Hospitals und des neuen Primarschulhauses statt. Zu Ehren dieses Anlasses begann der Tag mit einer prächtigen Messe durch Pfarrer Kenneth und dem hohen Besuch des Bischofs der Diozöse Okigwe, Dr. Solomon Amatu, welcher es sich nicht nehmen liess, die neuen Gebäude gleich zu segnen. Nach der Messe folgte auf dem Dorfplatz ein bis in die tiefe Nacht anhaltendes Fest unter der Beteiligung vieler Ehrengäste, darunter auch der Gouverneur des Abia State, Chief T. A. Orji.

 

R wie: Respekt

Respekt begegnete unserer Gruppe wo immer wir hingingen. Es war erkennbar, dass gegenseitiger Respekt, sowie Respekt vor Traditionen und christlichen Werten die Grundsteine des dörflichen und gemeinschaftlichen Zusammenlebens bildeten. Um ihren Respekt vor den Taten von Daniel und Martin zu erweisen, liessen sich die Menschen von Amagu etwas ganz Spezielles einfallen. Nach der Einweihung wurden die beiden vor den Augen aller festlich zu Chiefs ernannt. Chiefs sind Personen, die sich durch herausragende Leistungen für die nigerianische Gesellschaft hervorgehoben haben.

 

I wie: Internationaler Auftritt

Da gleich fünf Personen der Reisegruppe zusammen bei einer BDM-Mannschaft spielen, hoffte man natürlich auf ein internationales Fussballspiel gegen eine kleine Auswahl von Spielern aus Amagu. Die Frage eines Jungen aus dem Dorf, welcher tatsächlich fragte ob das BDM-Team das grosse Manchester United besiegen könne, zeigte, wie hoch die Erwartungshaltung an die Schweizerischen Fussballqualitäten war. Um sich einzuspielen, folgte zuerst ein kleines Spiel gegen die Dorfjugend auf einem felsigen Platz mitten im nigerianischen Urwald. Gespielt wurde barfuss auf Tore aus Bambus und mit gemischten Mannschaften. Nachdem alle Schweizer nach knapp zwanzig Minuten mit Fussschmerzen und Kreislaufbeschwerden neben dem Platz im Schatten lagen, wurde entschieden, das grosse Spiel abzusagen.

 

A wie: Amagu

Amagu ist das Dorf, in welches unsere Gruppe für zehn wunderschöne Tage eintauchen durfte. Wir alle haben während dieser Zeit unzählige von Geschichten, Momenten und Erfahrungen gesammelt und erlebt und alle sollten erzählt werden. Erzählungen jedoch reichen niemals aus, um die Wesenszüge der Welt und ihrer Bevölkerung zu vermitteln. Deshalb soll dieser Text nicht nur Rückblick sein, sondern auch ein Aufruf sich zu engagieren, für andere einzustehen und zu helfen. Jeder ist willkommen seine Arbeit und seine Unterstützung einzubringen und neue Geschichten für sich und die Menschen in Nigeria zu erleben.