Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht Nigeria 07. - 29.07.2012

Drei Wochen verbrachten wir diesen Sommer in Amagu, einem kleinen Dorf mitten im nigerianischen Dschungel. Langweilig sollte uns aber nicht werden: Samira betätigte sich im Swiss Foundation Hospital, Sarah und Corinne in der John Bosco School gleich nebenan.

 

Eindrücke und Erfahrungen des Spitals:

Meinen ersten Praktikumstag im Spital hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Ich dachte, dass sie mir zuerst alles zeigen würden und dass ich danach die ersten Tage nur zuschaue, wie die Krankenschwestern dort ihre Arbeit erledigen, aber nein, ich wurde direkt ins kalte Wasser geworfen und durfte bei der morgendlichen Visite die Vitalzeichen aller Patienten überprüfen. So lernte ich gleich alle Patienten und die verschiedenen Krankheitsbilder kennen. Zum grössten Teil kamen die Patienten mit Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen in das Spital. Aber auch ein Beinbruch war dabei.

Die erste Praktikumswoche verging wie im Flug und in der zweiten Woche verbrachte ich die größte Zeit damit, den nigerianischen Krankenschwestern die von Kenneth mitgebrachten Medikamente zu erklären und ihnen zu zeigen wie und wie oft sie verabreicht werden. Ich klärte sie auch über die einzelnen Risiken der Medikamente auf. Wegen den vielen unterschiedlichen Medikamenten und meinem eher mittelmäßigen Schulenglisch dauerte dies seine Zeit.

In der zweiten Woche war dann auch der Arzt des Spitals da. Zusammen mit ihm und zwei Krankenschwestern machten wir einen Ausflug in das kleine Dorf Akpukpa, in welchem es kein Spital oder Arzt gab. Dort hat sich der Arzt Zeit genommen, um alle zu untersuchen und ihnen Medikamente zu verabreichen.

In meinen letzten Tagen im Spital, gab ich den Krankenschwestern ein kleines Feed-back und erklärte ihnen einzelne Sachen, welche wir in der Schweiz anders machen als sie. So habe ich sie zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass es besser wäre, die bereits in Spritzen aufgezogenen Medikamente anzuschreiben, damit man sie nicht verwechselt und immer auf das Ablaufdatum von Medikamenten, Spritzen und Nadeln zu achten.

Während des Praktikums konnte ich so viele Eindrücke sammeln und auch das schweizerische und das nigerianische Gesundheitssystem miteinander vergleichen, welches sehr unterschiedlich war.

So waren zum Beispiel alle Frauen in einem Zimmer und alle Männer in einem anderen (wenn das nur meine Lehrerinnen gesehen hätten, denn sie predigen uns immer, wie wichtig es ist, dass man Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel Durchfall und Erbrechen von den anderen Patienten trennt, damit diese sich nicht anstecken… sie wären wohl nicht sehr erfreut gewesen) J

Es ist auch so, dass die Angehörigen sich um die Patienten kümmern und sie zum Beispiel waschen und ihnen das Essen bringen. Denn im Spital gibt es keine Küche wie in unseren Spitälern.

In der letzten Woche konnte ich zusammen mit Jude ein Privatspital in Enugu besichtigen. Dies war eine ganz andere Welt. Jeder Patient hatte ein Einzelzimmer, mit Fernseher und !!fließendem!! Wasser und auch die medizinische Einrichtung war auch sehr gut.

Dies sind nur ein paar Eindrücke welche ich während meiner Praktikumszeit in Amagu erfahren habe…

 

Eindrücke und Erfahrungen in der Schule:

Trotz einigen Parallelen zum Unterricht in der Schweiz war vieles neu für uns. Was uns am meisten begeisterte, war der Einfallsreichtum der Leute in Situationen, in denen wir keine Lösung gehabt hätten: Tafeln wurden mit nassem Unkraut geputzt, um etwas zu zerschneiden, hielt die Hausmauer her usw.

Dieselbe Spontaneität wurde auch von uns erwartet: „teach them something“, rief man uns zu und zunächst noch verunsichert, traten wir dann vor die staunenden Augen.

An den Nachmittagen lancierten wir unser Projekt „play and fun in Amagu“. Zu den organisierten Spielnachmittagen trafen sich neben den Primarschülern auch Kinder aus dem Dorf und der Umgebung. Wir spielten Fussball, Volleyball, Kreisspiele, bastelten, sangen und tanzten.

Die Einrichtung eines Spielzimmers mit Spielzeug, welches bis anhin noch verpackt im Schulhaus gelagert war und das Wiederaufstellen der Schaukel und der Rutschbahn, liessen so manche Kinder-(und Lehrerinnen-) herzen höher schlagen.

Die Onyeocha-Begeisterung (Onyeocha = Weisser Mensch) liess auch nach drei Wochen nicht nach. Jeden Tag klammerten sich die Kinder wie kleine Äffchen an uns. Unsere (rot) gestrichenen Zehennägel und unser echtes Haar sorgten für besondere Aufregung.

Ausserhalb der Schul- und Spitalzeit blieb uns natürlich noch Zeit, um die Kultur und ein wenig vom Land zu entdecken. Mit unserer massgeschneiderten, nigerianischen Tracht erlebten wir Messen, in denen getanzt, gelacht und gesungen (oder telefoniert) wurde, so wie man es nicht mal aus dem Fernsehen kennt. Ausserdem durften wir an der Beerdigung vom ehemaligen Bischof teilnehmen, was sich als ein riesiges Fest herausstellte. An dieser Feier konnten wir erleben, wie das Leben als Popstar wohl sein muss. Wo immer wir auch waren, es bildeten sich stets neue Kreise um uns. Die Menschen richteten ihre Handys auf uns und fotografierten uns aus allen Winkeln. Handynummern und Mailadressen wurden ausgehändigt, Hände geschüttelt und man hörte nur „Onyeocha, snap me!“

Abgesehen von den wenigen Momenten in denen die Sonne schien, war es immer bewölkt oder es schüttete aus Kübeln. Regen ist ein Zeichen dafür, dass für den kommenden Tag genügend Wasser vorhanden ist, aber auch, dass die Strassen nicht verschont bleiben. Mehrmals sind wir mit dem Auto stecken geblieben und kamen nur dank der grosszügigen Hilfsbereitschaft der Nigerianer (welche auch sonst auffallend ausgeprägt ist) an unser Ziel. Auch Kenneth musste feststellen, dass ein Chrysler zwar seine ästhetischen Punkte sammeln kann und sich im Sommer angenehm fährt, für die Regenzeit jedoch sehr ungeeignet ist. Die schlammigen Strassen verschmutzten den Wagen bei jeder Fahrt. Aus diesem Grund wurden die Autos mehrmals täglich geputzt oder kurzerhand auseinandergenommen und repariert.

Wir hatten Glück, dass unsere Bekannten vor der Abreise ihre Kleiderschränke grosszügig ausräumten und die Angestellten am Flughafen in Mailand ein Auge zugedrückt haben. Ein „imela“ an alle, die hierfür einen Beitrag geleistet haben.

Drei Wochen später verliessen wir mit gemischten Gefühlen unser mittlerweile vertraut gewordenes Amagu. Einerseits freuten wir uns, kulinarisch und hygienisch (wir konnten uns während unserem Aufenthalt nur mit Regenwasser in kleinen Kübeln waschen) wieder in unserem gewohnten Umfeld zu sein und von unseren Erfahrungen berichten zu können, andererseits erlebten wir eine aussergewöhnlich intensive Zeit mit unseren neugewonnenen nigerianischen Freunden und den Bewohnern des Dorfes, dass der Abschied nicht leicht fiel. Eines ist jedoch sicher, sei es für unsere beruflichen oder privaten Perspektiven: Eine derartige Erfahrung kann erstaunlich viele Türchen öffnen. Egal wo wir Bekannte antrafen, täglich wurden wir gefragt: „Do you know my friends Martin and Daniel?“, oder „How are the other swiss?“ (Dezember Reisegruppe).

Corinne Zeiter, Sarah Mathier, Samira Schnyder